Auf Umwegen zur Berufung: Antje Noacks Erfolgsgeschichte

Germanistik, Geschichte, Maschinenbau. So lautete die Reihenfolge von Antje Noacks Berufswunschliste zu Schulzeiten. Warum sich die heutige Leiterin der Projektplanung (Siemens) für letzteres entschied und warum sie dafür nicht selten ins kalte Wasser springen musste, hat sie uns erzählt.

Das Interesse war groß, der Anfang war schwer

Frau Noack besuchte ein Mädchengymnasium in Kempen am Niederrhein. Das war in den 80er Jahren – technische Berufe waren damals, noch mehr als heute, Männerdomänen. Entsprechend schockiert reagierte ihre Lehrerin, als sich Frau Noack für Physik anstelle von Biologie entschied, erinnert sie sich. Sie fand aber auch frühe Unterstützer ihres technischen Interesses, wie zum Beispiel ihren Vater und ihren Großvater. Da sie inzwischen die ersten beiden Berufswünsche auch wieder von ihrer Liste gestrichen hatte, wählte sie nach dem Abitur eine technische Laufbahn.

„Ich begann zunächst eine Ausbildung als technische Zeichnerin, merkte aber schnell, dass das noch nicht das Richtige für mich ist. Ich war bereit für den nächsten Schritt.“

Dieser Schritt hieß ‚Maschinenbaustudium‘ in Duisburg. Die sehr klassischen Schwerpunkte des universitären Studiengangs erwiesen sich allerding als überraschend zäh und so empfand Frau Noack das Studium nicht immer als reine Freude. Dass sie im Studium gute Lerngruppen fand und sogar ihren heutigen Lebensgefährten kennenlernte, hat für Antrieb gesorgt, durchbeißen musste sie sich aber trotzdem.

„Hätte ich vorher gewusst, was da auf mich zukommt, hätte ich mich wohl für etwas anderes entschieden. Ich habe mich dann aber immer wieder selbst motivieren können und so doch schnell einen ordentlichen Abschluss geschafft.“, resümiert Frau Noack.

Raus aus dem Studium, hinein in die Verantwortung

Damals nicht unbedingt die erste Wahl war auch der Job im Bereich Kraftwerksbau bei der Firma Siemens in Mülheim, auf den sie sich dennoch mangels offener Stellen nach ihrem Studienabschluss bewarb. „Hauptsache es geht weiter voran“, dachte sie. So kam es auch, und zwar mit vollem Tempo. Kurz nach Antritt ihrer Stelle fiel ihr Vorgesetzter für längere Zeit aus, wodurch sie sich plötzlich in einer neuen Position befand, in der sie besonders viel Personalverantwortung übernehmen musste.

„Als ich die Stelle antrat, mussten sowohl ich als auch meine Kollegen erst mal schlucken. So viel Verantwortung für jemanden, der erst so kurz dabei ist – und dann noch eine Frau – das war damals noch ungewöhnlich.“

Geklappt hat es aber trotzdem, und zwar so gut, dass Antje Noack nicht nur ihre anfänglichen Zweifel überwand, sondern fortan Karriere in ihrer Firma machte. Als Systemingenieurin war sie zum Beispiel für ganze Prozessketten verantwortlich, vom ersten Gespräch mit den Kunden bis zur Baustelle, und als internationale Teamleiterin flog sie regelmäßig bis nach Orlando, Florida.

Den eigenen Fluchtinstinkt besiegen

Nach einem Wechsel in den Bereich Industrieverdichter an den Duisburger Standort führten Dienstreisen Frau Noack in Ihrer Funktion als Projektleiterin in einige interessante und ferne Länder.  Enger Kontakt mit dem Kunden, intensive Arbeit mit dem Projektteams, die Klärung von technischen und organisatorischen Fragen sowie das schnell Treffen von Entscheidungen prägten über Jahre ihre tägliche Arbeit.  Dann aber erkrankte Frau Noack schwer und trug dabei bleibende, körperliche Einschränkungen davon. Dienstreisen waren nun nicht mehr möglich, Antje Noack musste sich selbst und ihre Arbeit ganz neu strukturieren. Gemeinsam mit ihrem Arbeitgeber fand die Maschinenbauerin neue Aufgabenfelder. Seit viereinhalb Jahren leitet sie nun die Abteilung Projektplanung. Ihr unterstellt ist derzeit ein neunköpfiges Team, acht Männer und eine Frau.

„Wir unterstützen beispielsweise unseren Vertrieb bei der Kundenakquise mit Blick auf den Zeitplan. Das heißt wir entwickeln Konzepte, wie Anlagen schnellstmöglich für den Kunden einsatzbereit auf die Baustelle kommen, um den Kunden so für uns zu gewinnen.“

Dabei ist jedes Detail entscheidend, die Planungen sind entsprechend umfangreich. Für die Frau, die es bisher gewohnt war Probleme sofort und direkt anzugehen und nicht erst viel zu planen, war das schon wieder eine ziemliche Umstellung. Doch auch diese Aufgabe konnte sie, wie bereits die zahlreichen Herausforderungen zuvor, erfolgreich meistern. Auch wenn sie hierfür, wie sie selbst sagt, bei manchen Themen zuerst ihren eigenen ‚Fluchtinstinkt‘ überwinden musste.

Beruf oder Berufung?

Dass sie im Laufe ihrer Karriere immer wieder durch kaltes Wasser schwimmen musste, oder auch mal Kunden aushalten musste, die sich lieber einen „Herr Siemens“ anstelle einer Frau für ihr Projekt gewünscht hätten, lässt sie heute nur noch mehr schätzen, was sie in ihrem Beruf erreicht hat.

„Ich habe festgestellt was die Arbeit für einen Wert für mich hat. Für mich ist es, grade auch wegen meines Handicaps, wichtig, dass ich weiterhin das machen kann, was ich mag.“, erzählt sie uns.

An der Arbeit mit ihrem Team schätzt sie vor allem, dass man sich gegenseitig vertraut und so die Verantwortung gemeinsam schultert. Aus der Zusammenarbeit gewinnt sie das Feedback, das sie für sich selbst und vor allem für eine erfolgreiche Projektplanung braucht. Ob Frau Noack in ihrer aktuellen Stelle nun ihre finale Berufung gefunden hat, oder demnächst wieder neue Herausforderungen anstehen, bleibt offen. Fakt ist, sie ist glücklich mit dem, was sie macht und das hat sie sich selbst erarbeitet.

Schön, dass du dich bewerben möchtest

Der Studiengang ist zulassungsfrei, das heißt es ist kein bestimmter Notendurchschnitt (NC) und auch keine Prüfung zur Einschreibung vorausgesetzt. Du kannst dich also direkt über das HRW Online-Portal einschreiben.

Um dich erfolgreich einzuschreiben, musst du dich im Online-Portal registrieren und dort alle nötigen Angaben machen, sowie die erforderlichen Nachweise (zum Beispiel dein Abiturzeugnis) einreichen. Wichtig: erst nach Einreichung und Prüfung deiner Nachweise ist deine Bewerbung vollständig und du wirst für den Studiengang eingeschrieben. Wir informieren dich darüber per E-Mail oder per Post.