Prof. Susanne Staude hat den schwarzen Gürtel in Work-Life-Balance

Prof. Dr.-Ing. Susanne Staude ist Vizepräsidentin für Studium und Lehre an der Hochschule Ruhr West in Mülheim, wo sie auch als Dozentin für Thermodynamik arbeitet. Die 46-jährige Professorin lebt mit ihrem Mann und ihren drei Kindern (den Hund nicht zu vergessen) in Düsseldorf. In diesem Interview erzählt sie uns mehr über ihr reges Berufs- und Privatleben und verrät uns, wie sie das alles unter einen Hut bekommt.

War Ihnen schon während der Schulzeit klar, wo die Reise hin geht?

Staude: Als Jugendliche hatte ich eigentlich gar keinen Berufswunsch, auch nach dem Abitur nicht. Ich bin dann zunächst für ein halbes Jahr nach London gegangen, habe dort in einem Hotel gejobbt und das Leben in der Metropole genossen. Erst 5 Jahre nach dem Abi habe ich begonnen, mir Gedanken über einen Beruf zu machen. Eine gute Freundin hat mir dann vorgeschlagen, Umwelttechnik zu studieren. Ich wusste gar nicht, dass es das gibt – kannte auch keine Ingenieur*innen. Da ich aber schon immer am Thema Umwelt interessiert war, habe ich mich dazu informiert und gemerkt, wie spannend ich das finde. So habe ich mich dann für ein Studium der Umwelttechnik entschieden.

Ist der späte Start ins Studium denn gut gelaufen?

Staude: Der Anfang des Studiums war nicht so leicht. Ich war 6 Jahre älter als die meisten anderen, als Mädchen deutlich in der Minderheit und habe mich als Deutsche in England auch das erste Mal richtig als Ausländerin gefühlt. Ich habe zum Beispiel in Physik am Anfang gar nichts verstanden! Ich konnte zwar sehr gut Englisch – aber nicht die Fachbegriffe. Ich habe mir dann schnell Hilfe von Kommilitonen geholt und nach wenigen Wochen ging es deutlich besser.

Und wie ging es dann nach Ihrem Abschluss weiter?

Staude: Als ich mein Studium begonnen habe, war eigentlich mein Ziel im Bereich erneuerbare Energien zu arbeiten, allerdings gab es in dem Bereich damals erst wenige Jobs. Eher zufällig bin ich dann in der Automobilbranche gelandet. Nach einigen Jahren dort wurde mir aber klar, dass mir etwas fehlt. Bei meinen Überlegungen, was ich anderes machen könnte, kam ich auf die Hochschule. Ich habe dann zunächst als wissenschaftliche Mitarbeiterin an einer FH gearbeitet und bald war klar: FH ist das Richtige für mich – aber wenn, dann richtig: Als Professorin!

Sie sind heute nicht nur Professorin, sondern auch Vizepräsidentin an einer technischen Hochschule. Gibt es da so etwas wie einen ‚typischen‘ Arbeitstag?

Staude: Eigentlich gleicht kein Tag dem anderen. Es gibt natürlich wiederkehrende Aufgaben: So halte ich jedes Jahr Vorlesungen im selben Fach. Aber dennoch sind diese jedes Jahr auch ein bisschen anders. Es sind ja auch immer andere Studierende. Dazu kommen Forschungsprojekte, die auch immer wieder neue Herausforderungen mit sich bringen.

Zu anspruchsvoller Arbeit braucht es natürlich auch einen Ausgleich. Sie scheinen ein Familienmensch zu sein, stimmt das?

Staude: Das kann man wohl so sagen. Meine drei Kinder sind inzwischen 10, 13 und 17 – das ist manchmal auch ganz schön anstrengend, aber sie stellen sicher, dass ich nie am Wochenende arbeite!

Und das klappt auch?

Staude: Durchaus! Wir haben als Familie schon viele unterschiedliche Modelle gelebt, seit die Kinder da sind: Beim ersten Kind habe ich fast zwei Jahre Pause gemacht, meine Tochter habe ich die ersten sechs Monate mit auf die Arbeit genommen und danach bei einer Tagesmutter gehabt. Meinen jüngsten Sohn hatte ich auch nach 3 Monaten bei einer Tagesmutter, die aber ganz in der Nähe der Uni war. Wenn er Hunger hatte, bin ich zum Stillen kurz vorbeigekommen. In der Zeit habe ich Teilzeit gearbeitet und mein Mann voll. Eine volle Stelle habe ich dann wieder gehabt, als ich Professorin wurde. Da waren dann alle Kinder in Schule bzw. Kindergarten – und wir haben gemeinsam genügend verdient, dass wir uns eine Kinderfrau leisten konnten, die uns auch den Haushalt gemacht hat. Inzwischen ist mein Mann zuhause und übernimmt die Rolle des Hausmanns.

Das klingt so als hätten Sie immer die passende Lösung gefunden. Wie schafft man das?

Staude: Kinder und Beruf zu vereinbaren ist immer ein Balanceakt – und jede und jeder muss für sich entscheiden, was zu der jeweiligen Situation am besten passt. Nur scheinen wir Frauen uns darüber so viel mehr Gedanken zu machen als die Männer… Für mich war aber immer klar (und das hat sich nach einem Jahr zuhause mit meinem Ältesten auch bestätigt), dass das Vollzeitmutterdasein für mich nichts ist. Ich brauche die intellektuelle Herausforderung meines Berufs, um glücklich zu sein. Und dann kann ich die Zeiten mit meiner Familie auch viel besser genießen.

Was würden Sie einer Schülerin sagen, die über ein technisches Studium nachdenkt, aber noch nicht weiß, ob es das Richtige für sie ist?

Staude: Macht das, was Euer Herz höher schlagen lässt. Das, was Euch Spaß macht, werdet Ihr gut können! Und wenn Ihr unsicher seid: Probiert es aus. Und entscheidet noch mal neu, wenn Ihr es besser kennt. Und wenn man dann feststellt, dass man nicht das Richtige gewählt hat, dann macht man halt was anderes. Das Leben ist so lang – da muss (und kann?) man sich ja nicht schon mit 18 darauf festlegen, was man den Rest des Lebens machen will!

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Der Studiengang ist zulassungsfrei, das heißt es ist kein bestimmter Notendurchschnitt (NC) und auch keine Prüfung zur Einschreibung vorausgesetzt. Du kannst dich also direkt über das HRW Online-Portal einschreiben.

Um dich erfolgreich einzuschreiben, musst du dich im Online-Portal registrieren und dort alle nötigen Angaben machen, sowie die erforderlichen Nachweise (zum Beispiel dein Abiturzeugnis) einreichen. Wichtig: erst nach Einreichung und Prüfung deiner Nachweise ist deine Bewerbung vollständig und du wirst für den Studiengang eingeschrieben. Wir informieren dich darüber per E-Mail oder per Post.